Kaulquappe

Nr. 52 - vom 24.3.2012


Kunst im Friedensmuseum



Liebe FreundInnen des Friedensmuseums,

Am 19. April ist es nun soweit: nach einer kurzen Osterpause (wir sehen uns doch beim Ostermarsch?) eröffnen wir eine Friedens-Kunstausstellung mit Werken von Frans Masereel (1889-1972). Es war fast eine zufällige Begenungen mit dem Sammler Karlheinz Kles in Hannover, aus der sich die Idee entwickelte, eine Reihe dieser Holzschnittdrucke ins Friedensmuseum zu holen. Bereits heute bedanken wir uns bei ihm und der Saarbrücker Frans-Masereel-Stiftung, aber auch bei Hans Wallner, der uns bei der Gestaltung und Rahmung der Bilder sehr behilflich ist. Es ist ein großes Programm entstanden, dessen ersten Happen wir Ihnen heute präsentieren!
Doch zunächst:

Veronika, der Lenz ist da! zum Inhalt
Das hat sich das Friedensmuseum auch gedacht, und die Baumpatenschaft für den schönen Straßen - Baum unmittelbar vor der Museumstüre übernommen. Genauer gesagt handelt es sich um eine Ulme mit einer ziemlich verwahrlosten Baumscheibe. Zunächst für ein Jahr soll diese optische Eintrittskarte vor dem Museum nun verschönert und gepflegt werden. Wer hat Lust, mitzumachen? Vielleicht gibt es in Ihrem Garten einige überzählige und widerstandsfähige Setzlinge? Einfach vorbeikommen und mitbringen! Elke Winter übernimmt die Koordination.
Los geht’s am Montag, 2.April um 13 Uhr.

Donnerstag, 19.4., 19 Uhr Vernissage: Die Beerdigung des Krieges zum Inhalt
Werke von Frans Masereel - in Zusammenarbeit mit der Frans-Masereel-Stiftung Saarbrücken. Bernd Zachow wird in das Leben und Werk dieses engagierten Künstlers einführen, Sonja Schöneberg (Violine) sorgt für die musikalische Umrahmung.
" Masereel ist jedoch mehr als "nur" ein Künstler gegen den Krieg in der Nachfolge von Goya oder Daumier, bringt sein Gesamtwerk doch immer wieder die Hoffnung auf Vernunft, den Sieg des Humanismus und den Triumph der Menschlichkeit zum Ausdruck... Er gehörte "zu den wenigen kraftvollen Schöpfergestalten unserer Zeit, die sich stets erneuern und doch immer dieselben bleiben“ (Romain Rolland), geleitet von der Erkenntnis, dass die objektiven Ursachen für die Ausbeutung und Unterdrückung der Menschen im Kapitalismus liegen." (Aus dem Vorwort zum Werkskatalog). Die Ausstellung ist bis zum 25. Juli 2012 im Friedensmuseum zu sehen.
Kunst im Friedensmuseum
Montag, 23.4., 19.30 Uhr Nach dem Völkermord: Ein Friedensmuseum für Ruanda zum Inhalt
Karen Knipp-Rentrop berichtet von ihrer Arbeit als Friedensfachkraft des Deutschen Entwicklungsdienstes beim Aufbau eines "mobilen Friedensmuseums", das die Leute in ihren Dörfern besucht. Was ist "Frieden" für die Überlebenden des Völkermords? Wie stellen sich insbesondere Jugendliche ein friedliches Zusammenleben vor? Die Referentin arbeitet gegenwärtig beim ÖNZ (Ökumenisches Netz Zentralafrika) und kommt aus Nürnberg.

Freitag, 27.4., 16 Uhr Erzählcafé mit Marianne Danzer zum Inhalt
Wenn es um Frieden geht, war und ist sie immer dabei: Marianne Danzer. Viele kennen sie als engagierte „Steiner Friedensfrau“, als Teilnehmerin von gewaltfreien Aktionen gegen die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen und Mitgestalterin des Ostermarsches. Und: wer mittwochnachmittags das Friedensmuseum besucht, wird von ihr freundlich willkommen geheißen. Diese Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen. Woher nimmt sie nur die Kraft für ihr unermüdliches Engagement? Lassen wir sie selbst zu Wort kommen.
Durch den Nachmittag führt Christine Mößner (NEFF).


Mittwoch, 2.5., 18 Uhr Krieg und Frieden: ein anderer Blick auf Kunstwerke des GNM zum Inhalt
Treffpunkt an der Kasse im Germanischen Nationalmuseum.
Keine Schwerter, keine Rüstungen wollen wir zeigen, und auch keine Schlachtgemälde. Die Auseinandersetzung mit Frieden und Krieg stellt sich subtiler dar. Wir machen uns auf die Spurensuche durch 3 Jahrtausende: 10 Kunstwerke werden vorgestellt und befragt. Dabei ergeben sich auch spannende Kontroversen. Der Eintritt ist frei.

Mittwoch, 9.Mai, 19.30 Uhr Kriegsverweigerer in Genf zum Inhalt
Ein literarischer Bilderbogen von Wolfgang Nick
Nicht alle europäischen Intellektuellen stimmten 1914 ein in die nationalistische Kriegspropaganda. Einige entzogen sich dem Wahnsinn durch Flucht in die Schweiz, besonders nach Zürich (die deutschsprachigen) und nach Genf (die frankophonen). Aus den Schriften jener Humanisten entsteht ein eindringliches Zeitgemälde jener "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts". Wir stellen die Freunde Frans Masereels vor: Romain Rolland (franz. Literaturnobelpreisträger) und Stephan Zweig sowie Alfred H. Fried (Friedensnobelpreisträger). So wird die Atmosphäre lebendig, in der Masereel seine täglichen Lithografien schuf.

Dienstag, 22.Mai, 19.30 Uhr Filmabend zum Inhalt
Engagierte Kunst heute: Graphic Novels als Enkel der "Bildromane"
Graphic Novels, stilistisch aus den Comics entstanden, haben sich als eigenständiges Genre engagierter Kunst entwickelt, ganz im Sinne Frans Masereels, der die "Bildromane" erfand. Nach der gemeinsamen Betrachtung einer ausführlichen Filmdokumentation ("Comics ziehen in den Krieg") gibt es die Möglichkeit, die wichtigsten der zitierten Bücher im Original zu betrachten (Maus, Barfuß durch Hiroshima, Persepolis).

Führungen durch die Ausstellung zum Inhalt
Wir bieten grundsätzlich montags von 17.30 – 18.50 Uhr Führungen an.(pünktlicher Beginn!). Jede Führung wird am folgenden Dienstag von 8.30 – 9.50Uhr wiederholt. Eine Voranmeldung ist notwendig (per mail bzw. Tel.). Nach einer Einführung in das Werk des Künstlers und einer intensiven Betrachtung der ausgestellten Werke werden wir jedes Mal ein weiteres, variierendes Thema seines Schaffens vorstellen.

Montag, 7.5. 17.30 Uhr bzw. Dienstag, 8.5., 8.30 Uhr
Die Bildromane
Wohl den größten Erfolg, besonders in Deutschland, erzielte Masereel mit seinen „Bildromanen“, die in großer Taschenbuchauflage gedruckt wurden. Durch den Verzicht auf Text wurden sie international verständlich. Und doch scheint ihre Geschichte nur vordergründig eindeutig. Diese Führung passt auch gut zum Abend über "engagierte Kunst" heute und zur Film-Vorführung "Comics ziehen in den Krieg“

Montag, 14.5. 17.30 Uhr bzw. Dienstag, 14.5., 8.30 Uhr:
Masereels Kurz-Filme
Schon mal auf YouTube Masereel gesucht? Tatsächlich... Masereel nutzte das Mittel des Avantgarde-Films als künstlerisches Ausdrucksmittel. Wir haben nur die heutigen YouTube-Kopien... es lohnt sich trotzdem!

Montag, 21.5., 17.30 Uhr bzw. Dienstag, 22.5., 8.30 Uhr
Jeden Tag eine gute Lithografie
Erster Weltkrieg: Jeden Tag erschien die Antikriegszeitung "La Feuille" ... jeden Tag mit einer Titellithografie von Masereel. Die spezielle Drucktechnik hatte er selbst entwickelt, das Mittel der Reportage/Collage nahm Heartfield vorweg. Über 800 Blätter können Sie bei uns einsehen, die Führung beschränkt sich natürlich.

Lesefutter: "und wenn sie mich an die Wand stellen" von Ralf Buchterkirchen. zum Inhalt
Friedensaktivisten aus Hannover haben in jahrelanger Kleinarbeit die Geschichte von Deserteuren 1933 – 1945 in und aus Hannover zusammengetragen. Herausgekommen ist ein schmales (177 Seiten), reich illustriertes Büchlein, in dem der lokale Bezug nur als Beispiel dient. Der Autor schafft es, aus den vorliegenden Quellen und 51 Einzelschicksalen die Maschinerie von Militär und Justiz aufzudecken, wie auch den bundesrepublikanischen Umgang mit diesen vergessenen Justizmorden. Der Autor beleuchtet die Straftatbestände (Fahnenflucht, Wehrkraftzersetzung, Kriegsverrat), Verurteilung und Vollstreckung, Strafbataillone und Straflager, aber auch die Motive für Ungehorsam (meist einfach der Wunsch zu überleben). BRD und DDR gingen mit den Weltkriegsdeserteuren unterschiedlich um. Im Westen machten die Blutrichter oft Karriere und erst 2002 wurden die Deserteure durch den Bundestag rehabilitiert. Das Buch endet hoffnungsvoll mit der spannenden Geschichte des hannoveraner Deserteur-Denkmals – und mit "Desertion heute" am Beispiel des Irakkriegs. Ich wünsche dieser facettenreichen, sehr gut geschriebenen Darstellung eine weite Verbreitung!


Friedensbewegung vor 100 Jahren: Pazifistische Beamte in Österreich! zum Inhalt
In unserer Rubrik „Friedensbewegung vor 100 Jahren“, in der wir interessante und zeitgemäße Artikel aus der Zeitschrift „Friedenswarte“ von 1911 zitieren, findet sich folgendes:
Die „Fachzeitschrift der k. k. Rechnungsbeamten", das Organ des Vereins der Staats-Rechnungs-Beamten, veröffentlicht in seiner Nummer 4 vom 15. Februar d. J. einen vielbemerkten Artikel über den österreichischen Staatshaushalt, indem das Anwachsen der Rüstungsforderungen einer einschneidenden Kritik unterzogen wird. Nach einer zahlenmäßigen Aufstellung der Staatseinnahmen und -Ausgaben weist der anonyme Verfasser nach, dass die Hälfte der gesamten Staatsgelder teils zur Vorbereitung für künftige Kriege, teils zur Bezahlung der vergangenen Kriege verwendet wird. Er gelangt zu dem Ausruf: „So kann es nicht weiter gehen, es muss ein Wandel eintreten bei uns und allerwärts." Der Verfasser weist auf die Friedensidee hin und sagt dann: „Der Selbsterhaltungstrieb sowohl als auch das Wohl des Gesamtvolkes, dessen Teil wir doch sind, erfordern es unter solchen Verhältnissen gebieterisch, dass jeder einzelne Staatsbeamte zum begeisterten und unermüdlichen Kämpfer werde für die Idee des Pazifismus, dass er als solcher mit allen seinen Kräften beitrage zur weitesten Verbreitung derselben in allen Schichten der Bevölkerung, damit bei kommenden Wahlen die zu Wählenden von ihren Mandataren bindend verpflichtet werden, jedwede Mehrforderung für Rüstungszwecke absolut zu verweigern, dagegen darauf zu dringen, dass die Regierung sich eingehend mit der Frage der Einschränkung der Rüstungen befasse und alle dahin abzielenden Bestrebungen und Anregungen auf das tatkräftigste unterstütze.“ Kommentar von Alfred Fried, dem Herausgeber der Friedenswarthe: So stehen die Dinge! Das sind nicht revoltierende Arbeiter, das sind die Stützen des Staates, die Beamten des Staates! Ihr Auftreten beweist, wie sehr die Regierung mit der Förderung des Rüstungswahnes die Empörung der Bevölkerung hervorrief. Die Delegationen haben die Millionen zwar bewilligt, aber wer sind denn die Delegationen? Vom Volke wurden sie nicht berufen. Das Volk hat die Rüstungskosten abgelehnt. Im übrigen muss die Regierung froh sein, dass sich ihre Beamten dem Pazifismus zuwenden statt der Sozialdemokratie. Der Pazifismus erweist sich hier wiederum als staatsrettendes Ventil.

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Besuchen Sie uns im Museum in der Kaulbachstraße 2, 90408 Nürnberg!
Mo. von 17-19, Mi von 15-17 Uhr und am 1. Samstag im Monat von 15-17 Uhr